Für Genesis-Fans der klassischen Fünfer-Besetzung war 2013 ein Jahr des Glücks. Nicht weil es endlich zu der von vielen herbeigesehnten Reunion gekommen wäre, nein! Steve Hackett ging mit seinem hochgelobten Album "Genesis Revisited II" auf Tour. Diejenigen, die dabei waren, trauten schlicht ihren Ohren kaum. Viele hatten es sich nicht mehr träumen lassen, eine Setlist nur mit Songs der Alben bis "Wind And Wuthering" zu erleben, auch wenn nur einer der Helden von damals auf der Bühne stand. Doch hat Hackett eine Reihe toller Musiker um sich geschart, die auch ohne die Gabriel’schen Showeinlagen und Kostümierungen für einen unvergessenen Abend und jede Menge Glücksgefühle sorgten.
Die Show im Hammersmith, die für diese Must-Have-DVD mitgeschnitten wurde, war nochmal eine ganz besondere mit vielen Gastmusikern. John Wetton (na ja) singt auf "Afterglow", Nik Kershaw (ja!) übernimmt die Vocals auf "The Lamia", und Steve Rothery (jaha!) steuert eines seiner typischen Soli bei. An diesem Abend in London stimmt so ziemlich alles. Höhepunkte herauszupicken, ist schwierig. Zu nennen sind aber "The Musical Box", "Firth Of Fifth", "Entangled" und natürlich "Supper’s Ready" in voller Länge. Viel mehr geht nicht.
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Donnerstag, 21. November 2013
Freitag, 16. Dezember 2011
Rohdiamant, der geschliffen sein will
Den Namen finde ich ehrlich gesagt schwierig. Nichtsdestotrotz machen die Jungs aus Bad Tölz gute Musik: die Hunters Of Pure Sound. In die Top 100 der Jahrespolls werden sie's wahrscheinlich nicht schaffen. Für mich sind sie trotzdem eine der Entdeckungen des Jahres.
Mit "Vertex" (engl. für "Scheitelpunkt") legt das Trio (ein neuer Drummer wird gerade gesucht) 2011 sein erstes Album vor, bei dem die Grenzen zwischen melodischem Hardock und New Artrock fließend sind. Die Vorbilder (u.a. Dream Theater, Devin Townsend) lassen auf Progmetal schließen. Doch so heavy wird’s auch wieder nicht. Rockig schon.
Der Opener "My Way" besticht mit einem markanten Hardrockriff und erinnert wohl dadurch an Evergrey. Dazu gibt’s eine starke Hookline, was das Ganze sehr melodisch klingen lässt. Diese Stärke der Band zieht sich durch alle elf Tracks: auf der einen Seite die erdige Rhythmusfraktion, auf der anderen Seite die meist über den Gesang transportierte Melodik. Dass Gitarrist und Sänger Paul Klora ein Tölzer Sängerknabe war, hilft, auch wenn da noch Luft nach oben ist. Das gilt auch für die Produktion. H.O.P.S. sind, wie sie mit dem Titelsong (höre ich da doch Dream Theater raus?) und dem wunderbaren "Tears" nachdrücklich andeuten – ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden will/sollte/muss. Dann wird vielleicht auch der Traum von der Profimusikerkarriere wahr – und das wäre dann ein echter Scheitelpunkt im Leben der Oberbayern.
Mittwoch, 18. Mai 2011
Nichts für Stilpuristen
Das dritte Album von The D Project ist ein musikalischer Abenteuertrip mit Suchtfaktor und definitiv nichts für Stilpuristen. Das hochspannende Projekt aus Québec , benannt nach Mastermind Stéphane Desbiens, verschmelzt Psychedelic, Artrock, Jazz, Fusion und Pop mit schier unbändiger Spielfreude zu einer energetischen, mitreißenden Melange mit einem ordentlichen Schuss Bombast.
Bassist Tony Levin und Quidam-Sänger Bartek Kossowicz führen die lange Liste der Gastmusiker an. Zu hören sind Geigen, Tenor-Saxophon (großartig: Giovany Arteaga!) sowie vier verschiedene LeadsängerInnen. Desbiens und seine Bandkollegen Mathieu (Bass) und Jean Gosselin (Drums) sind da genauso wenig knickrig wie mit ihren überschäumenden Ideen: Der im Stil ständig Haken schlagende, grandiose Opener „They“ wäre alleine den Kaufpreis wert. "So Low" ist ein straighter Rocksong, „Anger I & II" könnte mit seiner Singer-/Songwriterattitüde auch im Formatradio laufen. "Macondo" verbrüdert Zappa mit hymnischem Musical-Pathos, und "Conspiracy" entpuppt sich als abwechselnd rockendes und jazzendes Instrumental. Atemberaubend, faszinierend, großartig!
Bassist Tony Levin und Quidam-Sänger Bartek Kossowicz führen die lange Liste der Gastmusiker an. Zu hören sind Geigen, Tenor-Saxophon (großartig: Giovany Arteaga!) sowie vier verschiedene LeadsängerInnen. Desbiens und seine Bandkollegen Mathieu (Bass) und Jean Gosselin (Drums) sind da genauso wenig knickrig wie mit ihren überschäumenden Ideen: Der im Stil ständig Haken schlagende, grandiose Opener „They“ wäre alleine den Kaufpreis wert. "So Low" ist ein straighter Rocksong, „Anger I & II" könnte mit seiner Singer-/Songwriterattitüde auch im Formatradio laufen. "Macondo" verbrüdert Zappa mit hymnischem Musical-Pathos, und "Conspiracy" entpuppt sich als abwechselnd rockendes und jazzendes Instrumental. Atemberaubend, faszinierend, großartig!
Samstag, 7. Februar 2009
Jack Foster III - Jazzraptor's Secret
Jack Foster III hat also wieder den "Jazzraptor" beschworen, der schon dem vor vier Jahren erschienenen Debüt ("Evolution Of Jazzraptor") den Namen gab. Fosters Mitstreiter auf seinem inzwischen vierten Studioalbum heißen Trent Gardner (Magellan) und Robert Berry (GTR, Keith Emerson, Don Airey), womit dann auch gleich klar wäre, in welche Richtung es geht und dass der Raubvogel nicht nur im Jazzbereich wildert. Aber auch! Jazzanklänge finden sich auf einigen Tracks. Wie auf "Mandelbrot World" (Anspieltipp!) entwickeln sich aber fast alle Titel zu hochmelodischen Progsongs im Stil von Transatlantic, zu denen Rhythmus- und Stimmungswechsel genauso gehören wie gefühlvolle Soli oder hier und da eine Dosis Bombast. "Jazzraptor`s Secret" bietet stets melodiösen, druckvollen und abwechslungsreichen Prog, bei dem insbesondere das variable Keyboardspiel Gardners hervorsticht. Genauso wartet das Album aber mit starken Gitarrenparts ("Outbreak Money") und mit tollem mehrstimmigen Gesang ("God And War") auf, so dass definitiv keine Langeweile aufkommt. Vielleicht ist das ja des Jazzraptor`s (Erfolgs-) Geheimnis?!
Genesis - Nursery Cryme (Boxset 1970 - 1975)
Ein weites Feld, am Rand ein herrschaftliches Schloss: Eine Schwester spielt Croquet mit abgeschlagenen Kinderhäuptern, und niemand stört sich daran. Dieses in hellen, weichen Farben gehaltene Bild von Paul Whitehead ziert das Cover des dritten Genesis-Albums "Nursery Cryme", das auch wegen seiner minderwertigen Klangqualität gerne unterschätzt wird. Dabei hat "Nursery Cryme" in der Bandgeschichte eine zentrale Bedeutung, ist es doch das erste Album des klassischen Genesis-Lineups mit Peter Gabriel, Tony Banks, Mike Rutherford, Steve Hackett und Phil Collins.
Hackett und Collins geben hier ihren Einstand. "NC" steht damit für den Beginn der Genesis-Ära, die als die kreativste und beste der Band gilt. Whiteheads Cover - gegenüber seinem "Trespass"-Artwork noch einmal deutlich tiefgründiger und doppelbödiger - versinnbildlicht dies. Ein weiterer großer Unterschied zum Vorgänger: Die Songs auf „Trespass“ waren noch fast alle liveerprobt, die Songstrukturen standen fest. Im Studio hieß es „so sind sie eben, Kumpel, fummel jetzt nicht dran rum“, erinnert sich Mike Rutherford. „Bei den Aufnahmen zu Nursery Cryme nahmen die Songs immer noch Gestalt an und waren in ihren Arrangements und ihrem Klang noch etwas wandelbarer.“
Die Neuen steuern den von Collins gesungenen Shorttrack „For Absent Friends“ bei. Die Chefs heißen aber Gabriel und Banks: „Ich dachte, es wäre gut, mich mit Phil zusammenzutun. Klein-Collins und Hackett Junior, die den älteren, perfekten Jungs ihre Dienste anbieten“, so Hackett im Rückblick. Speziell sein Stil ist aber schon klar erkennbar, auch wenn der Fokus eindeutig auf Gabriels Gesang und Banks` Orgel liegt.
Die neue Genesis-Box offenbart jetzt ohne Soundschleier, dass „NC“ mehr zu bieten hat als nur „Fountain“ und den Bandklassiker „The Musical Box“: Die eigentliche Überraschung sind „The Return Of The Giant Hogweed“ und „Harold The Barrel“, die plötzlich transparent und druckvoll rüberkommen. Und „Seven Stones“ entfaltet erst durch die neue Technik seine ganze Pracht und Schönheit. Dass man die Texte endlich versteht, ist eine wunderbare Zugabe.
Hackett und Collins geben hier ihren Einstand. "NC" steht damit für den Beginn der Genesis-Ära, die als die kreativste und beste der Band gilt. Whiteheads Cover - gegenüber seinem "Trespass"-Artwork noch einmal deutlich tiefgründiger und doppelbödiger - versinnbildlicht dies. Ein weiterer großer Unterschied zum Vorgänger: Die Songs auf „Trespass“ waren noch fast alle liveerprobt, die Songstrukturen standen fest. Im Studio hieß es „so sind sie eben, Kumpel, fummel jetzt nicht dran rum“, erinnert sich Mike Rutherford. „Bei den Aufnahmen zu Nursery Cryme nahmen die Songs immer noch Gestalt an und waren in ihren Arrangements und ihrem Klang noch etwas wandelbarer.“
Die Neuen steuern den von Collins gesungenen Shorttrack „For Absent Friends“ bei. Die Chefs heißen aber Gabriel und Banks: „Ich dachte, es wäre gut, mich mit Phil zusammenzutun. Klein-Collins und Hackett Junior, die den älteren, perfekten Jungs ihre Dienste anbieten“, so Hackett im Rückblick. Speziell sein Stil ist aber schon klar erkennbar, auch wenn der Fokus eindeutig auf Gabriels Gesang und Banks` Orgel liegt.
Die neue Genesis-Box offenbart jetzt ohne Soundschleier, dass „NC“ mehr zu bieten hat als nur „Fountain“ und den Bandklassiker „The Musical Box“: Die eigentliche Überraschung sind „The Return Of The Giant Hogweed“ und „Harold The Barrel“, die plötzlich transparent und druckvoll rüberkommen. Und „Seven Stones“ entfaltet erst durch die neue Technik seine ganze Pracht und Schönheit. Dass man die Texte endlich versteht, ist eine wunderbare Zugabe.
Donnerstag, 13. November 2008
Jelly Fiche - Tout Ce Que J`ai Rêvé
Kaum zu glauben, dass "Tout Ce Que J`ai Rêvé" (zu Deutsch: Alles was ich mir erträumt habe) ein Debütalbum ist - das Debüt einer Band, die sich in der Tradition von Harmonium oder Maneige sieht, zweier Bands, die in den 70er Jahren für erstklassigen Progressive Rock aus der frankokanadischen Provinz Québec standen. Auch Jelly Fiche kommen von dort, genauer gesagt aus Montréal, und sie knüpfen an, wo ihre Vorbilder aufgehört haben. Dabei haben die drei Musiker einen komplett unterschiedlichen Background: Sänger und Bassist Syd ist der Poet und zeichnet für die Texte und damit für das lyrische Element verantwortlich, Keyboarder und Saxophonist Eric Plante bringt eine Vorliebe für atmosphärische und jazzige Klänge mit, Gitarrist Jean-Francois Arsenault schließlich ist maßgeblich von Prog beeinflusst.
Das Ergebnis ist musikalisch schon verdammt ausgereift und stimmig. Gewisse Einflüsse (Pink Floyd) sind nicht zu überhören ("Les Arbres"), aber Jelly Fiche sind weit davon entfernt, ihre Vorbilder nur zu kopieren. Was soll man zuerst loben? Das feinfühlige Gitarrenspiel ("Dans La Peau d`Un Autre")? Die atmosphärischen Keyboard- und Pianoparts? Den ausdrucksstarken Gesang? Es ist alles zusammen, was die Wärme und das Träumerische ausmacht und die Musik von Jelly Fiche zu einem Ereignis. Dafür sorgt auch der wohldosierte Einsatz des Saxophons, mit dem sich die Band von anderen abhebt. Auch die französischen Texte sind ein Eigenständigkeitsmerkmal. Für den einen oder anderen mag das gewöhnungsbedürftig sein, nach einigen Durchläufen kann (und will) man sich die Musik mit englischen Lyrics aber gar nicht mehr vorstellen.
Einen Song herauszuheben - bei diesem Album ohne Schwächen schier unmöglich. Also: Durchhören und genießen! Das ist, was sich Fans dieser Art von Musik erträumt haben!
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 107)
Das Ergebnis ist musikalisch schon verdammt ausgereift und stimmig. Gewisse Einflüsse (Pink Floyd) sind nicht zu überhören ("Les Arbres"), aber Jelly Fiche sind weit davon entfernt, ihre Vorbilder nur zu kopieren. Was soll man zuerst loben? Das feinfühlige Gitarrenspiel ("Dans La Peau d`Un Autre")? Die atmosphärischen Keyboard- und Pianoparts? Den ausdrucksstarken Gesang? Es ist alles zusammen, was die Wärme und das Träumerische ausmacht und die Musik von Jelly Fiche zu einem Ereignis. Dafür sorgt auch der wohldosierte Einsatz des Saxophons, mit dem sich die Band von anderen abhebt. Auch die französischen Texte sind ein Eigenständigkeitsmerkmal. Für den einen oder anderen mag das gewöhnungsbedürftig sein, nach einigen Durchläufen kann (und will) man sich die Musik mit englischen Lyrics aber gar nicht mehr vorstellen.
Einen Song herauszuheben - bei diesem Album ohne Schwächen schier unmöglich. Also: Durchhören und genießen! Das ist, was sich Fans dieser Art von Musik erträumt haben!
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 107)
The Reasoning - Dark Angel
Sich eine Scheibe von The Reasoning anzuhören, ist schon allein wegen des Gesangs interessant: Rachel Cohen (ehemals Jones) wechselt sich mit Dylan Thompson und Gareth Jones ab, wodurch zunächst mal keine Langeweile aufkommt. Wer sich dann einmal durch das zweite Album der Band, "Dark Angel", gehört hat, der wird vermutlich feststellen, was ihm mehr liegt: die weiblichen oder die männlichen Gesangsparts (ich für meinen Teil kann sagen: die männlichen liegen mir mehr!). Abgesehen von dieser "Gretchenfrage" bietet "Dark Angel" von vorn bis hinten gefälligen, melodischen MelodicRock mit leichten Proganteilen und teils sehr schönem mehrstimmigem Gesang. Durchgängig hochhalten können The Reasoning, die mit Owain Roberts einen neuen zweiten Gitarristen an Bord haben, die Spannung aber nicht. Mit dem Titeltrack und "Sharp Sea" geht es zwar gut los. Den nachfolgenden Songs fehlen dann aber die eingängigen Hooklines, die sich nachhaltig ins Gedächtnis einbrennen würden. Das ist alles gut hörbar, plätschert aber etwas vor sich hin. Erst der mitreißende Neun-Minüter "A Musing Dream" zieht noch einmal alle Aufmerksamkeit auf sich und sorgt für eine am Ende gute Beurteilung - nicht zuletzt wieder ein Verdienst der Gesangsarrangements.
(Erstveröffentlichung im Rock-Magazin "eclipsed", Nr. 107)
(Erstveröffentlichung im Rock-Magazin "eclipsed", Nr. 107)
Frost - Experiments In Mass Appeal
Ist das wirklich dieselbe Band? Sind das die gleichen Frost, die noch 2006 mit "Milliontown" ein eher unausgegorenes Debütalbum am Start hatten? Ja, sie sind es, und sie haben aus ihren Fehlern gelernt! Da ist vor allem der Gesang: Jem Godfrey, Vater des Projektes, übernimmt die Vocals nicht mehr selbst, sondern hat sich mit Declan Burke einen Sänger (und Gitarristen) ins Boot geholt, der stimmlich von zart-leise ("Saline") bis aggressiv-kraftvoll ("Experiments In Mass Appeal") alles beherrscht und von dem Godfrey sagt, er sei „der kommende Prog-Megastar“. Ansonsten ist das Line-up mit Gitarrist John Mitchell (It Bites, Kino, Arena), Ex-IQ-Bassist John Jowitt, Drummer Andy Edwards (IQ) und Godfrey (Keyboards) gleich geblieben. Die Musik klingt aber viel eigenständiger als das Debüt: Mal ist sie am besten als melodiöser ArtRock zu beschreiben, mal als Prog ("Toys", "Wonderland"), mitunter sind auch Einflüsse von Bands wie Muse ("Pocket Sun") herauszuhören. Fazit: ein wirklich starkes und abwechslungsreiches Album.
(Erstveröffentlichung im Rock-Magazin "eclipsed", Nr. 107)
(Erstveröffentlichung im Rock-Magazin "eclipsed", Nr. 107)
Unitopia - The Garden
Australien ist ja nicht gerade als Neoprog-Hochburg bekannt. Umso erstaunlicher, dass sich dort mit Unitopia eine Band in den Vordergrund spielt, die genau auf dieser Welle reitet. Nach dem 2005 erschienenen Debütalbum "More Than A Dream" legt die siebenköpfige Band um Mark Trueack (Gesang) und Sean Timms (Keyboards) nun mit "The Garden" ein Doppelalbum vor. Das ist zwar immer noch stark im melodischen 80er-Prog verwurzelt, bietet aber trotz teils überdeutlicher Anleihen bei Genesis, Marillion oder IQ viel schöne Musik. Dass es sich bei "The Garden" um ein Konzeptwerk handelt, wird Progfans erfreuen, aber jene Kritiker bestätigen, die der Band vorwerfen, in „Mainstream-Prog“ zu verfallen. Ganz abwegig ist das nicht, dafür sind die sehr Keyboard-lastigen Kompositionen nicht sperrig genug, setzen sich die teils süßlichen Melodien zu leicht in den Gehörgängen fest ("Here I am"). Keine Widerhaken. Kein Gefrickel. Dennoch: Speziell die Longtracks "The Garden" und "Journey`s Friend" bieten wundervoll lyrische Musik, die, manchmal nahe am Kitsch, immer gerade noch die Kurve kriegt.
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 105)
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 105)
Diagonal - s/t
Eine Progband bei einem Indie-Label? Das ist ungewöhnlich, erklärt Rise Above Records aber so: "Diagonal versprühen inmitten der gleichgeschalteten 'Indie'-Sounds der Jetztzeit eine Frische, die fast an den Punk-Aufbruch vor 30 Jahren erinnert." Na ja. Diese Einschätzung ist einigermaßen übertrieben, klingt das Debüt von Diagonal doch rauf und runter wie aus den frühen Siebzigern, und das obwohl alle Bandmitglieder gerade mal Mitte 20 (!) sind. Bei so manchem Basslauf fühlt man sich an die ganz frühen Yes erinnert, den einen oder anderen Takt könnten auch Gentle Giant eingezählt haben. Immerhin beweisen die sieben Musiker aus Bristol Mut: Wer sonst wagt es schon, ein Drum-Solo in den Opener seines Debütalbums einzubauen, um gleich anschließend auf "Child of the Thunder Cloud" mit Klarinettenklängen daherzukommen? Auch Jazzanklänge enthält das Album, das fünf Songs mit knapp 46 Minuten Spielzeit enthält. Toptrack ist das 14-minütige "Pact", das 70er-Prog in all seinen Facetten bietet. Sehr eigenständig ist das zwar nicht. Trotz aller Reminiszenzen klingt das aber - und da hat Rise Above Records Recht - in der Tat erstaunlich frisch!
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 105)
(Erstveröffentlichung im Rockmagazin "eclipsed", Nr. 105)
Samstag, 19. Juli 2008
No-Man - Schoolyard Ghosts
Coldplay haben in diesem Sommer mit "Viva La Vida or Death and all his Friends" wieder ein solides, starkes Album hingelegt. Getoppt werden Chris Martin & Co. allerdings von der britischen Formation No-Man. Okay, man kann die beiden Bands musikalisch nicht wirklich miteinander vergleichen (und kommerziell schon gleich gar nicht). Andererseits: Mit "Schoolyard Ghosts" haben No-Man ein Werk abgeliefert, dem auch Fans der ruhigeren Coldplay-Songs etwas abgewinnen können sollten.
Mit seiner Band Porcupine Tree hätte Mastermind Steve Wilson ohnehin das Zeug, schon bald in die Liga aufzusteigen, in der Coldplay schon spielen. No-Man indes ist lediglich ein so genanntes Seitenprojekt von Wilson. Wie auch bei seinem zweiten Projekt Blackfield (mit dem Israeli Aviv Geffen) setzt Wilson auch mit No-Man (mit Sänger Tim Bowness) auf die leiseren Töne.
Mit "All Sweet Things" eröffnet ein Stück mit absoluter Ohrwurm-Garantie das Album. Schon hier gibt`s nur eins: Augen zu und genießen. Melodieführung und die dezente Instrumentierung laden regelrecht dazu ein. Dazu Bowness` Stimme, die unaufdringlich ist, einen aber trotzdem packt. Mit "Beautiful Songs You Should Know" geht es genau so weiter, noch dadurch veredelt, dass ein Cello den Basspart übernimmt. Erst bei "Pigeon Drummer" reißt den Hörer eine harte, unerwartete Gitarrenklangwand aus den Träumen.
Das 12-minütige "Truenorth" (das Video ist nur ein Edit) mit dem eindringlichen Piano-Motiv ist das Herzstück des Albums, das wohl am ehesten Wilsons Nähe zum Progressive Rock geschuldet ist. Auch hier sticht neben den Streichern wieder der klare, stimmige Gesang hervor, der die eine oder andere sperrige Melodie in Harmonie auflöst. Desweiteren bieten "Wherever There is Light" oder auch "Song of the Surf" einfach anspruchsvolle, aber eben trotzdem immer ruhige und nur schöne Musik zum Abschalten und Schwelgen. Mein uneingeschränkter Album-Tipp in diesem Sommer!
Mit seiner Band Porcupine Tree hätte Mastermind Steve Wilson ohnehin das Zeug, schon bald in die Liga aufzusteigen, in der Coldplay schon spielen. No-Man indes ist lediglich ein so genanntes Seitenprojekt von Wilson. Wie auch bei seinem zweiten Projekt Blackfield (mit dem Israeli Aviv Geffen) setzt Wilson auch mit No-Man (mit Sänger Tim Bowness) auf die leiseren Töne.
Mit "All Sweet Things" eröffnet ein Stück mit absoluter Ohrwurm-Garantie das Album. Schon hier gibt`s nur eins: Augen zu und genießen. Melodieführung und die dezente Instrumentierung laden regelrecht dazu ein. Dazu Bowness` Stimme, die unaufdringlich ist, einen aber trotzdem packt. Mit "Beautiful Songs You Should Know" geht es genau so weiter, noch dadurch veredelt, dass ein Cello den Basspart übernimmt. Erst bei "Pigeon Drummer" reißt den Hörer eine harte, unerwartete Gitarrenklangwand aus den Träumen.
Das 12-minütige "Truenorth" (das Video ist nur ein Edit) mit dem eindringlichen Piano-Motiv ist das Herzstück des Albums, das wohl am ehesten Wilsons Nähe zum Progressive Rock geschuldet ist. Auch hier sticht neben den Streichern wieder der klare, stimmige Gesang hervor, der die eine oder andere sperrige Melodie in Harmonie auflöst. Desweiteren bieten "Wherever There is Light" oder auch "Song of the Surf" einfach anspruchsvolle, aber eben trotzdem immer ruhige und nur schöne Musik zum Abschalten und Schwelgen. Mein uneingeschränkter Album-Tipp in diesem Sommer!
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