Auch wenn der FC Bayern wohl nichts dafür kann: Es passt irgendwie zu diesem Verein, dass nun Folgendes bekannt wurde: Ein Buch mit dem schönen Titel "Der Pott ist dahoam" lag offenbar schon vor dem Champions-League-Finale in München druckfertig vor und sollte nach dem erhofften Sieg über den FC Chelsea möglichst schnell veröffentlicht werden.
Wir kennen das aus dem Journalismus: Da werden verschiedene Textversionen vor dem Ausgang eines Ereignisses geschrieben, um am Ende möglichst schnell mit der Nachricht draußen sein zu können. Von prominente Politikern und Künstlern liegen schon Nachrufe in den "Schubladen", die noch quicklebendig unterwegs sind, um am Tag des Dahinscheidens nicht erst bei Adam und Eva mit der Recherche beginnen zu müssen.
Im Falle des Bayern-Buches ging es allerdings nicht darum, der Schnellste zu sein. Jedenfalls nicht nur. Es ging vor allem darum, möglichst zeitnah möglichst viel Profit aus diesem Sieg zu ziehen, zudem es nun nicht kam. Dumm gelaufen! Und es wirft auch kein gutes Licht auf die Journaille; immerhin war es ein Kicker-Redakteur, der sich auf diese Nummer eingelassen hat. Tja, da hat der Kollege die Kohle genauso wenig nach Hause gebracht wie die Bayern den schon sicher geglaubten Sieg.
Posts mit dem Label Sports/Allgemein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sports/Allgemein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 28. Mai 2012
Mittwoch, 11. Februar 2009
"Ist doch ein geiler Verein!"
"Ist doch ein geiler Verein!" Nein, ausnahmsweise sind damit nicht der FC Bayern oder der VfB Stuttgart gemeint, sondern Klubs aus der Fußballprovinz. Hier, wo oft nur ein paar hundert Fans ihre Mannschaft unterstützen, hat Christoph Ruf die wahren Fußballverrückten getroffen und ihre Geschichten aufgeschrieben.
Hier, wo die Bratwurst noch das mit Lachs belegte Canapé um Längen schlägt, wo Fußball noch nach Männerschweiß riecht und ein ergattertes Spielertrikot meist noch ein Unikat ist, wird noch der ehrliche Fußball gespielt. Ohne das große Geld. Dafür mit Herzblut. Sich daran zu erfreuen, mag in Zeiten der Totalvermarktung dieses Sports unverbesserliche Sozialromantik sein. Aber seien Sie ehrlich: Macht das nicht mehr Spaß, als im Daimler-Stadion zu sitzen, wo man in der Untertürkheimer Kurve ein Fernglas braucht, um das Spiel zu sehen?
Fußball-Landkarte "ergroundhoppert"
Autor Christoph Ruf hat Klubs besucht, die von der Fußball-Landkarte Deutschlands verschwunden sind oder überhaupt nie drauf standen. Viele seiner Geschichten und Interviews, die er sich "ergroundhoppert" hat ("Groundhopper": Fans, die versuchen, so viele Fußballstadien oder "grounds" wie möglich zu besuchen), sind hochaktuell, haben sie doch mit der Strukturreform im deutschen Fußball, mit der Einführung der und den daraus resultierenden Folgen für die Vereine zu tun.
Vergilbte ruhmreiche Vergangenheit
Bekannte Klubs mit vergilbter, mehr oder weniger ruhmreicher Vergangenheit, wie der SV Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers oder der KFC Uerdingen, denen Ruf eigene Kapitel widmet, haben darunter ebenso zu leiden wie gänzlich namenlose "Underdogs". Aber wer die Geschichten über den SC Pfullendorf, den Bahlinger SC oder den Freiburger FC (bis in die 80er Jahre deutlich populärer als Stadtrivale SC) liest, der kommt nicht umhin, sie mit allen ihren Problemen und Macken sympathisch zu finden.
Brusthaar fürs Vereinsmuseum
Das Buch schafft es, Anekdoten und Kurioses aus allen Teilen der Bundesrepublik zu einer charmanten Sammlung zu vereinen, die so lesenswert wie kurios ist. Die schönsten Geschichten sind die, in denen die Menschen zu Wort kommen, die mit ihrem Verein leiden, wie sich das kein FC Bayern-Fan je vorstellen kann: Menschen wie Ivo Burmeister, der die Rettung des KFC Uerdingen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Thomas Traumer, der Fanartikel von Altona 93 (von wem?) sogar nach Australien verkauft oder der SpVgg-Bayreuth-Fan, der sein Brusthaar für eine Spieler-Büste im Vereinsmuseum geopfert hat.
Souflaki-Spieße am Alsenweg
Ab und zu schildert Ruf auch einfach nur das ganz normale Vereinsleben. Am altehrwürdigen Alsenweg in Mannheim hat er Dimitrios Tsionanis getroffen. Der Grieche, der als beinharter Verteidiger für den SV Waldhof 146 Erstligaspiele bestritt, führt jetzt die Vereinsgaststätte "Bei Dimi" und brät Souflaki-Spieße. Der SV Waldhof spielt inzwischen in der Regionalliga und trifft hier immerhin auch mal wieder auf Traditionsklubs wie Hessen Kassel und Darmstadt 98 statt wie zuletzt auf Schwieberdingen oder Hoffenheim II. Und ganz sicher heißt es trotz aller Sorgen um den Klub auch in Mannheim von Zeit zu Zeit: "Ist doch ein geiler Verein!"
(Christian Ruf: Ist doch ein geiler Verein - Reisen in die Fußballprovinz. 2008, erschienen im Verlag Die Werkstatt)
Hier, wo die Bratwurst noch das mit Lachs belegte Canapé um Längen schlägt, wo Fußball noch nach Männerschweiß riecht und ein ergattertes Spielertrikot meist noch ein Unikat ist, wird noch der ehrliche Fußball gespielt. Ohne das große Geld. Dafür mit Herzblut. Sich daran zu erfreuen, mag in Zeiten der Totalvermarktung dieses Sports unverbesserliche Sozialromantik sein. Aber seien Sie ehrlich: Macht das nicht mehr Spaß, als im Daimler-Stadion zu sitzen, wo man in der Untertürkheimer Kurve ein Fernglas braucht, um das Spiel zu sehen?
Fußball-Landkarte "ergroundhoppert"
Autor Christoph Ruf hat Klubs besucht, die von der Fußball-Landkarte Deutschlands verschwunden sind oder überhaupt nie drauf standen. Viele seiner Geschichten und Interviews, die er sich "ergroundhoppert" hat ("Groundhopper": Fans, die versuchen, so viele Fußballstadien oder "grounds" wie möglich zu besuchen), sind hochaktuell, haben sie doch mit der Strukturreform im deutschen Fußball, mit der Einführung der und den daraus resultierenden Folgen für die Vereine zu tun.
Vergilbte ruhmreiche Vergangenheit
Bekannte Klubs mit vergilbter, mehr oder weniger ruhmreicher Vergangenheit, wie der SV Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers oder der KFC Uerdingen, denen Ruf eigene Kapitel widmet, haben darunter ebenso zu leiden wie gänzlich namenlose "Underdogs". Aber wer die Geschichten über den SC Pfullendorf, den Bahlinger SC oder den Freiburger FC (bis in die 80er Jahre deutlich populärer als Stadtrivale SC) liest, der kommt nicht umhin, sie mit allen ihren Problemen und Macken sympathisch zu finden.
Brusthaar fürs Vereinsmuseum
Das Buch schafft es, Anekdoten und Kurioses aus allen Teilen der Bundesrepublik zu einer charmanten Sammlung zu vereinen, die so lesenswert wie kurios ist. Die schönsten Geschichten sind die, in denen die Menschen zu Wort kommen, die mit ihrem Verein leiden, wie sich das kein FC Bayern-Fan je vorstellen kann: Menschen wie Ivo Burmeister, der die Rettung des KFC Uerdingen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Thomas Traumer, der Fanartikel von Altona 93 (von wem?) sogar nach Australien verkauft oder der SpVgg-Bayreuth-Fan, der sein Brusthaar für eine Spieler-Büste im Vereinsmuseum geopfert hat.
Souflaki-Spieße am Alsenweg
Ab und zu schildert Ruf auch einfach nur das ganz normale Vereinsleben. Am altehrwürdigen Alsenweg in Mannheim hat er Dimitrios Tsionanis getroffen. Der Grieche, der als beinharter Verteidiger für den SV Waldhof 146 Erstligaspiele bestritt, führt jetzt die Vereinsgaststätte "Bei Dimi" und brät Souflaki-Spieße. Der SV Waldhof spielt inzwischen in der Regionalliga und trifft hier immerhin auch mal wieder auf Traditionsklubs wie Hessen Kassel und Darmstadt 98 statt wie zuletzt auf Schwieberdingen oder Hoffenheim II. Und ganz sicher heißt es trotz aller Sorgen um den Klub auch in Mannheim von Zeit zu Zeit: "Ist doch ein geiler Verein!"
(Christian Ruf: Ist doch ein geiler Verein - Reisen in die Fußballprovinz. 2008, erschienen im Verlag Die Werkstatt)
Dienstag, 6. Mai 2008
Hall of "Fame"?
Wie aberwitzig, ja schwachsinnig Zuschauerrankings sind, weiß man spätestens seit der ZDF-Serie "Unsere Besten". Die "Top 50" der Musikstars führte dort Herbert Grönemeyer an, gefolgt von Udo Jürgens und Wolfgang Amadeus Mozart. André Rieu und die Höhner landeten deutlich vor Richard Wagner oder dem abgeschlagenen Johann Sebastian Bach (Platz 34).
Über die Aufnahme in die neue "Hall of Fame" des deutschen Sports entscheidet genau deshalb nicht Volkes Stimme, sondern eine Experten-Jury! Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ernannte 25 Persönlichkeiten aus Sport und Politik, die ihrerseits die ersten 40 Mitglieder festlegte. Mit erstaunlichem Ergebnis.
Dass Max Schmeling und Franz Beckenbauer, Sepp Herberger oder auch Hans Günter Winkler dabei sein würden, war klar. Aber bei einigen Namen fragt sich sogar mancher (selbst ernannte) Experte, ob er einfach nur zu jung ist oder doch so gar keine Ahnung von der Materie hat: Erwin Casmir, Albert Richter, Kurt Stöpel – ganz ehrlich: Hätten Sie auch nur die Sportart gewusst?
Dagegen fehlen einige Namen, die man definitiv in einer "Ruhmeshalle" erwartet hätte. Rudi Altig? Michael Groß? Markus Wasmeier? Fehlanzeige. Steffi Graf? Birgit Fischer? Heike Drechsler? Auch nicht dabei. Auffällig ist auch, dass nur drei Frauen (Rosi Mittermaier, Cilly Aussem und Ingrid Mickler-Becker) und ein DDR-Athlet (der vierfache Schwimm-Olympiasieger Roland Matthes) vertreten sind.
Aber kann ja noch kommen. Künftig sollen jährlich drei neue Mitglieder benannt werden. Von Experten, und nicht von irgendwelchen Ahnungslosen…
Über die Aufnahme in die neue "Hall of Fame" des deutschen Sports entscheidet genau deshalb nicht Volkes Stimme, sondern eine Experten-Jury! Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ernannte 25 Persönlichkeiten aus Sport und Politik, die ihrerseits die ersten 40 Mitglieder festlegte. Mit erstaunlichem Ergebnis.
Dass Max Schmeling und Franz Beckenbauer, Sepp Herberger oder auch Hans Günter Winkler dabei sein würden, war klar. Aber bei einigen Namen fragt sich sogar mancher (selbst ernannte) Experte, ob er einfach nur zu jung ist oder doch so gar keine Ahnung von der Materie hat: Erwin Casmir, Albert Richter, Kurt Stöpel – ganz ehrlich: Hätten Sie auch nur die Sportart gewusst?
Dagegen fehlen einige Namen, die man definitiv in einer "Ruhmeshalle" erwartet hätte. Rudi Altig? Michael Groß? Markus Wasmeier? Fehlanzeige. Steffi Graf? Birgit Fischer? Heike Drechsler? Auch nicht dabei. Auffällig ist auch, dass nur drei Frauen (Rosi Mittermaier, Cilly Aussem und Ingrid Mickler-Becker) und ein DDR-Athlet (der vierfache Schwimm-Olympiasieger Roland Matthes) vertreten sind.
Aber kann ja noch kommen. Künftig sollen jährlich drei neue Mitglieder benannt werden. Von Experten, und nicht von irgendwelchen Ahnungslosen…
Abonnieren
Kommentare (Atom)
