Posts mit dem Label Rock/Bands werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rock/Bands werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 8. Dezember 2014

Album des Jahres ... 2015

Der Dezember ist auch für Musikfans die Zeit der Bilanzen. Welches Album war das beste des Jahres, welches Konzert hat am meisten beeindruckt, welcher Künstler neue Meilensteine gesetzt. Während Leute wie ich nun darüber sinnieren, alle guten neuen Alben noch einmal in aller Ruhe mit Kopfhörer genießen, tut sich in der Prog-Gemeinde Ungeheures. Denn in einschlägigen Foren wird bereits das Album des Jahres 2015 gefeiert, noch ehe eine einzige Note die Studiowände verlassen hat.

"Hand. Cannot. Erase" heißt das Wunderwerk, das im Februar veröffentlicht werden soll. Der Interpret: Steven Wilson. Wilson - na klar, wer auch sonst? Sein letztes Werk "The Raven That Refused To Sing" schaffte es als erste Platte des Genres seit gefühlten hundert Jahren wieder in die Top 3 der deutschen Album-Charts. NewArtrock meets Jazz meets Prog meets Was-weiß-ich-noch-alles, und Wilson war im (medialen) Mainstream angekommen. Schon vor einem Jahr überschlugen sich die Kritiker, die dann auch die Konzerte des Porcupine-Tree-Gründers, für die er als Gastmusiker das Who-is-who der Szene gewinnen konnte, über den grünen Klee lobten.

Die Shows der kommenden Tour, die Wilson im April auch nach Deutschland führt, sind bereits restlos ausverkauft. Viel Vorschusslorbeeren also für den 47-Jährigen. Wie schrieb kürzlich ein User in einem der erwähnten Foren? "Ich warte seit Jahren auf ein Durchhängeralbum von ihm, aber es kommt nicht." Dann hoffen wir mal das Beste, denn der nächste Dezember kommt bestimmt ...   

Top 5 (Dezember):
Anathema - distant satellites
... And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Worlds Apart
Elbow - The Take Off And Landing Of Everything
Niels Frevert - Paradies der gefälschten Dinge
Threshold - For The Journey

Dienstag, 11. November 2014

Himmel, Erde und ein endloser Fluss

Ganz erstaunlich, wie man sich beeinflussen lässt. Da geht über das im Sommer erschienene neue Album von Yes ein "Shitstorm" nieder. Viele, die es wissen müssen, heißen es langweilig, uninspiriert oder der Band unwürdig. Und ja. Man hört vielleicht hier und da mal in einen Stream hinein. Und da man die Kritik (nicht die unter der Gürtellinie) nachvollziehen kann, spart man sich lieber mal die Euros für die Anschaffung, obwohl man denselben Musikern kurz zuvor noch bei einer ihrer Drei-Alben-Liveshow zugejubelt hat.


So weit so gut.


Und nun Pink Floyd. Schon die pure Ankündigung, David Gilmour und Nick Mason würden unter dem heiligen Namen ein Album herausbringen, das Material der "Division Bell"-Sessions enthalte sowie bisher unveröffentlichte Aufnahmen des 2008 verstorbenen Keyboarders Richard Wright, löste kollektives Stöhnen bei Kritikern und Fans sowie eine "Shit-Welle" übelster Vorahnungen aus, wie schlecht so ein Album nur ausfallen könne. Nun erntete "The Endless River" völlig unerwartet ein positives Echo bei Zeit, Spiegel und Tagesspiegel (um nur einige zu nennen), und es wurde schön still im Land. Denn "The Endless River" ist vielleicht kein "Dark Side" oder "Wish You Were Here", erst recht kein neues "The Wall", aber es ist ein edles Piece of Music, Pink Floyd pur und die Verneigung vor einem großartigen Keyboarder.


Nun soll auch Yes' "Heaven & Earth" seine Chance bekommen. Und nicht erst, wenn das Album für 4,99 Euro verramscht wird.




Top 5 (November):
The Tea Party - The Ocean At The End
Element Of Crime - Lieblingsfarben und Tiere
Niels Frevert - Paradies der gefälschten Dinge
Pendragon - Men Who Climb Mountains
Pink Floyd - The Endless River

Samstag, 14. Juni 2014

Neu: Top 5 des Monats

2013 war, wie ich finde, ein Klasse-Musikjahr im Rock. Zu meiner Jahresliste weiter unten haben sich definitiv inzwischen noch Traumhaus, Nick Cave und Black Sabbath mit ihrem Album "13" hinzugesellt. Und auch 2014 schickt sich an, ein guter Jahrgang zu werden. So richtig viel neue Bands sind zwar noch nicht am Horizont zu erkennen (vielleicht wäre Synaesthesia so ein Tipp). Überraschend dafür, wer so alles aus den Löchern kriecht. Überzeugendes gab es in diesem Jahr schon von RPWL, Archive oder Anubis. Dazu kommen passable Alben von Bigelf, Elbow, Lazuli, Magnum, Mike Oldfield und anderen.


Im "eclipsed", dem Magazin, für das ich u.a. schreibe, geben die Stammredakteure allmonatlich ihre Top-5-Alben bekannt. Weil mich einige darum gebeten haben (und um mir selbst einen besseren Überblick über die inzwischen recht unüberschaubare Menge an Neuveröffentlichungen zu verschaffen), will ich ab sofort an dieser Stelle ebenfalls eine solche Liste einführen, die allerdings nicht nur Neues beinhaltet. Und manchmal kann man anhand dieser Top 5 ja auch erkennen, woran ich gerade - fürs Heft oder fürs Buch - arbeite ... Hier also meine erste Liste.


Top 5 (Mai/Juni):
Anubis - Hitchhiking To Byzantium
Archive - Axiom
Black Sabbath - 13
Mando Diao - Aelita
Uriah Heep - Outsider

Sonntag, 5. Januar 2014

Riverside lässt keinen kalt

Viel Glück und Gesundheit für 2014 allen Lesern dieses Blogs!

Meine kleine, ganz persönliche Jahresbilanz sieht diesmal so aus:


Album des Jahres:
Riverside - Shrine Of New Generation Slaves
Mastermind Mariusz Duda beweist auf diesem Album nicht zum ersten Mal, dass er es kann. Sein tolles Songwriting mit allem, was dazugehört - Melodien, Härte, Drive, Groove, Gefühl - lässt einen nicht kalt und begeistert auch nachhaltig beim x-ten Durchlauf. Schon immer ein Qualitätsmerkmal! Auch live überzeugten die Polen - hoffentlich bald auch vor mehr Zuhörern!


Weitere Top-Alben:
Steven Wilson - The Raven That Refused to Sing
Haken - The Mountain
Fish - A Feast Of Consequences
Traumhaus - Das Geheimnis


Konzerte:
Steven Wilson (Alte Kongresshalle, München)
Steve Hackett (Herkulessaal, München)
Riverside (Strom, München)
Fish (Backstage, München)

Alter Bridge (Zenith, München)

Entdeckung:
Haken, Crystal Palace


Flops:
Dream Theater - s/t (so schwer es ist, das hier zu schreiben)

Vorfreude 2014:
neue Alben von Transatlantic, Bigelf, Lunatic Soul, Jelly Fiche u.a.

Meine Tracklist 2013:

1.    Riverside - Celebrity Touch
2.    Ray Wilson - Take it Slow
3.    Haken - Cockroach King
4.    Volbeat - Cape Of Our Hero
5.    Fish - High Wood
6.    Blackfield - Jupiter
7.    Days Between Stations - The Man Who Died Two Times
8.    Leprous - The Cloak
9.    Riverside - The Depth Of Self-Delusion
10.  David Bowie - Where Are We Now?
11.  Spock's Beard - Afterthoughts
12.  Placebo - Too Many Friends
13.  Steven Wilson - Drive Home
14.  HRK - Wenn Du sie siehst
15.  Steve Hackett - Blood On The Rooftops (live)

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Rush ist drin

Die kanadische Formation Rush wird in die Rock'n'Roll Hall Of Fame aufgenommen! Glückwunsch! Hochverdient! Basta!

Mittwoch, 30. Mai 2012

Steve Hackett-Interview (Teil 2): "Ich bin immer noch ein Teil davon"


Frage: Du warst ja nur knapp sechs Jahre in der Band. Nervt es Dich, dass Dein Name scheinbar für ewig mit Genesis verbunden bleibt?
Hackett: „Ach, Genesis ist eben eines der Dinge, die ich gemacht habe. Das ist in Ordnung. Aber die Leute mögen mich auch für andere Dinge. Viele Hörer von Classic FM halten mich für einen klassischen Gitarristen, der nostalgische, orchestrale Musik komponiert. Das alles gehört zu mir.“

Frage: Klingt ja alles so, als wärst Du total im Reinen mit der Vergangenheit. Warum hast Du die Band dann damals eigentlich verlassen?

Hackett: „Ich wollte damals einfach eigene Dinge ausprobieren und Solo-Sachen machen.“

Frage: Für Collins oder Rutherford war das doch später auch kein Problem?

Hackett: „Ja, aber das war später. Als Peter ging, hat sich einiges verändert. Es war nicht mehr dasselbe. Wer wieviel einbringt, war nicht mehr fair verteilt. Ich war zwar ein einflussreiches Mitglied, ich hatte geholfen, Genesis zu dem zu machen, was es war. Aber ich war kein Gründungsmitglied, und es kommt immer auch darauf an, wie man miteinander umgeht. Nachdem ich - auch unter Mithilfe von Mike und Phil – 1975 mein erstes Soloalbum „Voyage Of The Acolyte“ gemacht habe, wollte ich auch nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen, wenn ich solo etwas machen wollte.“

Frage: Für viele Fans bist Du der wahre Hüter des Genesis-Erbes. Was sagst Du dazu?
Hackett: „Ich war ein Teil davon und bin es immer noch. Es steht mir nicht zu, die anderen zu beurteilen. Ich kann nur sagen: Ich mache mein Ding.“

Frage: Wer sind für Dich in der Gegenwart die „Erben“ von Genesis?
Hackett: „Da denke ich an Bands wie Muse oder Elbow. Da spüre ich unseren Geist. Aber Genesis haben einen umfassenden Einfluss, auch in Genres, an die man nicht sofort denkt. Und auch die Neoprog- und Retroprogbands gehören dazu. Ich habe ja auch schon mit einigen von den Jungs gearbeitet, zuletzt mit Transatlantic auf dem High Voltage-Festival. Wir haben „The Return Of The Giant Hogweed“ einstudiert. Ich habe Tage gebraucht, um herauszufinden, was wir damals gespielt haben.“

Dienstag, 29. Mai 2012

Steve Hackett: "Ich bin immer noch ein Teil davon" (Teil 1)

Im aktuellen "eclipsed" geht es auf acht Seiten um die guten alten Genesis. Ungekürzt gibt's mein Interview mit Steve Hackett aber nur hier - im übrigen aber kein Grund, die 5,90 Euro für das Heft nicht doch noch zu investieren! Los geht's!


Frage: Du arbeitest gerade an einem zweiten Teil von „Genesis Revisited“. Wie kam es dazu?
Steve Hackett: „Es gibt so viel außergewöhnlich guten Stücke im Backkatalog von Genesis. Damit war ich noch nicht fertig. Wir waren ja noch sehr jung, als wir das damals aufgenommen haben. Inzwischen hat sich die Studio- und Aufnahmetechnik radikal verändert, wir haben viel mehr Erfahrung. Also lag das nahe.“

Frage: Wer ist noch beteiligt?
Hackett: „Wie 1996 wird John Wetton dabei sein, dazu viele „special guests“. Unter anderem hoffe ich, dass Steve Rothery und Roine Stolt mitwirken werden. Wir wollen einen neuen Zugang zu den Songs finden. Es geht nicht um dieses „Gute-alte-Zeiten-Ding“. Mir schwebt die Umsetzung für Orchester vor, aber ich fände es auch schön, all die alten Instrumente wiederzubeleben. Das hat immer noch große Relevanz für mich.“

Frage: Wie beurteilst Du heute Deine Rolle bei Genesis?
Hackett: „Ich konnte einiges einbringen und den Gang der Dinge beeinflussen. Auf der anderen Seite hat Genesis natürlich auch mich beeinflusst. Es ist sehr schön, ein Teil dieses Vorreitertums gewesen zu sein.“

Frage: Gilt das auch noch für die 80-er und 90-er Jahre?
Hackett: „Da hat es sich gewandelt, klar. Heutzutage kann man sich als Musiker nicht leisten, unmodern zu sein. Also musste auch Genesis mit der Zeit gehen. Sie wurden professioneller und sehr erfolgreich.“

Frage: Welche späteren Arbeiten findest Du gut?
Hackett: „Die Band hat noch viele großartige Alben nach mir gemacht. Es gibt aber jetzt nicht das eine Album, das ich besonders mag, eher einzelne Songs. „Abacab“ etwa gefällt mir richtig gut oder „The Brazilian“. Außerdem waren Genesis immer eine aufregende Top-Liveband, auch wenn der Fokus später nicht mehr so sehr auf den Soli lag.“

Frage: Mal angenommen, es käme zu einer Reunion: Würdest Du auch Stücke der letzten beiden Genesis-Alben spielen?
Hackett: „Ich glaube nicht, dass sie mich darum bitten würden,. Aber eine Reunion ist wirklich sehr unwahrscheinlich, auch wenn ich immer gesagt habe: Ich bin bereit. Ruft mich an, wenn Ihr so weit seid.“

(Teil 2 des Interviews folgt!)

Samstag, 31. Dezember 2011

An Elbow führt 2011 nichts vorbei

Viel Glück im neuen Jahr allen Lesern dieses Blogs!

Analog zum vergangenen Jahr gibt's auch Ende 2011 wieder meine kleine, ganz persönliche Bilanz.

Album des Jahres:
Elbow - build a rocket boys!

Konzerte des Jahres:
Elbow (Tonhalle, München)
Niels Frevert (Hansa39, München)

Newcomer:
Hunters Of Pure Sound (Bad Tölz)

Entdeckung:
The D Project

Flops:
Die neuen Alben von Arena, Pain Of Salvation und Symphony X

Vorfreude 2012:
alle Konzertmomente, die von der Stimmung her auch nur ansatzweise an die Gigs von Elbow und Niels Frevert in diesem Jahr heranreichen!

Bücher:
Vero und Tina - nicht nur weil Ihr's seid:
Veronika Beer - Ein Jahr in Stockholm
Tina Bauer - Ein Jahr in Island

Sports:
- meine beiden Borussen!
- der Klassenerhalt des BBC Bayreuth in der BBL und die tolle Hinrunde in der neuen Saison!

Meine ultimative Tracklist 2011 sieht in diesem Jahr wie folgt aus:

1. Dream Theater – On The Backs Of Angels
2. Elbow – The Night Will Always Win
3. Traumpfad – Angstfabrik
4. Yes – Fly From Here, pt. 2
5. The D Project – They
6. Hubert von Goisern – Brenna tuats guat
7. Sun Domingo – It’s Happening Now
8. Jelly Fiche – Genèse
9. Hunters Of Pure Sound – Tears
10.  Steven Wilson – Deform To Form A Star
11.  Niels Frevert – Ich würde Dir helfen eine Leiche zu verscharren wenn’s nicht meine ist
12.  Elbow – One Day Like This

Freitag, 30. Dezember 2011

Klatschen mit Freunden

Zwei Konzerte haben mich im Jahr 2011 ziemlich weggebeamt und alle anderen Gigs in den Schatten gestellt. Elbow aus Manchester versetzten in der Tonhalle nicht nur die (erstaunlich große) britische Gemeinde in Ekstase. Guy Garvey hatte den Laden im Griff. Er und seine Jungs machten, unterstützt von vier Streichern, richtig Party in München. "One Day Like This" gibt's auch für Power-Konzertbesucher nicht so oft! http://www.youtube.com/watch?v=BXfSQ-nZdo8

"Klatschen mit Freunden" hieß es kurz vor Weihnachten auch mit Niels Frevert. Überhaupt nicht zu vergleichen mit Elbow, denn Niels ist viel leiser und melancholischer. Trauriger auch. Aber was der Kerl aus Hamburg da für Arrangements gezaubert hat, lässt einen vor Freude, Glück, Hochachtung und ein bisschen Neid erschaudern und einfach mal genussvoll die Schnauze halten. http://tvnoir.de/?s=Frevert

Freitag, 16. Dezember 2011

Rohdiamant, der geschliffen sein will


Den Namen finde ich ehrlich gesagt schwierig. Nichtsdestotrotz machen die Jungs aus Bad Tölz gute Musik: die Hunters Of Pure Sound. In die Top 100 der Jahrespolls werden sie's wahrscheinlich nicht schaffen. Für mich sind sie trotzdem eine der Entdeckungen des Jahres.


Mit "Vertex" (engl. für "Scheitelpunkt") legt das Trio (ein neuer Drummer wird gerade gesucht) 2011 sein erstes Album vor, bei dem die Grenzen zwischen melodischem Hardock und New Artrock fließend sind. Die Vorbilder (u.a. Dream Theater, Devin Townsend) lassen auf Progmetal schließen. Doch so heavy wird’s auch wieder nicht. Rockig schon.


Der Opener "My Way" besticht mit einem markanten Hardrockriff und erinnert wohl dadurch an Evergrey. Dazu gibt’s eine starke Hookline, was das Ganze sehr melodisch klingen lässt. Diese Stärke der Band zieht sich durch alle elf Tracks: auf der einen Seite die erdige Rhythmusfraktion, auf der anderen Seite die meist über den Gesang transportierte Melodik. Dass Gitarrist und Sänger Paul Klora ein Tölzer Sängerknabe war, hilft, auch wenn da noch Luft nach oben ist. Das gilt auch für die Produktion. H.O.P.S. sind, wie sie mit dem Titelsong (höre ich da doch Dream Theater raus?) und dem wunderbaren "Tears" nachdrücklich andeuten – ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden will/sollte/muss. Dann wird vielleicht auch der Traum von der Profimusikerkarriere wahr – und das wäre dann ein echter Scheitelpunkt im Leben der Oberbayern.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Nichts für Stilpuristen

Das dritte Album von The D Project ist ein musikalischer Abenteuertrip mit Suchtfaktor und definitiv nichts für Stilpuristen. Das hochspannende Projekt aus Québec , benannt nach Mastermind Stéphane Desbiens, verschmelzt Psychedelic, Artrock, Jazz, Fusion und Pop mit schier unbändiger Spielfreude zu einer energetischen, mitreißenden Melange mit einem ordentlichen Schuss Bombast.

Bassist Tony Levin und Quidam-Sänger Bartek Kossowicz führen die lange Liste der Gastmusiker an. Zu hören sind Geigen, Tenor-Saxophon (großartig: Giovany Arteaga!) sowie vier verschiedene LeadsängerInnen. Desbiens und seine Bandkollegen Mathieu (Bass) und Jean Gosselin (Drums) sind da genauso wenig knickrig wie mit ihren überschäumenden Ideen: Der im Stil ständig Haken schlagende, grandiose Opener „They“ wäre alleine den Kaufpreis wert. "So Low" ist ein straighter Rocksong, „Anger I & II" könnte mit seiner Singer-/Songwriterattitüde auch im Formatradio laufen. "Macondo" verbrüdert Zappa mit hymnischem Musical-Pathos, und "Conspiracy" entpuppt sich als abwechselnd rockendes und jazzendes Instrumental. Atemberaubend, faszinierend, großartig!  

Mittwoch, 6. April 2011

Ihr findet keine Insel

Endlich, endlich wieder mal ein Statement und klares Bekenntnis des einstmals und vielleicht ja bald wieder politischsten aller Deutschrocker! Auf seiner aktuellen Tour präsentiert Heinz Rudolf Kunze den Song zum Atomausstieg: "Ihr findet keine Insel". In diesem Sinne: "Abschalten, abschalten, abschalten!"

http://www.youtube.com/watch?v=eWg6Cn20yu4&feature=player_embedded

Ihr findet keine Insel

Es ist ein Deal mit dem Tod
den er jederzeit kündigen kann
und ihr verdient euch schamrot
warum sollt ihr was ändern daran
Die Leute wollen doch Strom
jeder Firlefanz braucht Energie
es tickt in jedem Atom
fast wie ein SOS: Jetzt oder nie

Ihr findet keine Insel
keinen heilen Fleck
ihr findet keine Insel
und der Mars ist zu weit weg
ihr findet keine Insel
wenn alles explodiert
gemeinsam wird zu spät bereut
gemeinsam wird krepiert

Ihr wiegelt ab und vertuscht
unser Himmel stürzt nimmermehr ein
in Deutschland wird nicht gepfuscht
sagt wie arrogant kann man denn sein
Ihr zuckt die Achseln und lügt
euer Aufsichtsrat zwingt euch dazu
bis euch der Sachzwang verbiegt
jede Menschlichkeit ist ein Tabu

Ihr findet keine Insel
überall ist es gleich
ihr findet keine Insel
die Wolke findet euch
ihr findet keine Insel
egal wohin ihr blickt
im Bunker gehn die Kerzen aus
im Bunker wird erstickt

Ihr gehört in ein Flugzeug
alle das wär prima
mit einem One-Way-Ticket
Richtung Fukushima
Richtung Hiroshima

Ihr findet keine Insel
keinen heilen Fleck
ihr findet keine Insel
und der Mars ist zu weit weg
ihr findet keine Insel
wenn alles explodiert
gemeinsam wird zu spät bereut
gemeinsam wird krepiert

Dienstag, 15. Februar 2011

"Heavy Devy" zuliebe

Was Musik angeht, bin ich "wertkonservativ". Ich mag schöne Covers und Booklets und nein, ich weiß auch nicht mehr, wohin mit all den LPs und CDs! Trotzdem: Downloaden ist für Feiglinge! ;-)

Ab und zu muss man aber auch mal mit seinen Prinzipien brechen. Ganz aktuell für Devin Townsend und sein "dtp", das Devin Townsend Project! Auf seiner aktuellen Tour entstanden fünf Songs, die man sich jetzt herunterladen kann, und zwar NUR herunterladen kann. Bedingung: Ein Account bei Facebook oder Twitter und die vorläufige Zustimmung, den Newsletter von InsideOut zu beziehen.

Für Fans von "Heavy Devy" ein Muss, für alle anderen ein "Kann" - allerdings solltet Ihr vorher mal reingehört haben. Sicher ist sicher ...

Und hier geht's zum Download: http://www.insideoutmusic.com/specials/DTP/

Freitag, 31. Dezember 2010

Und das Highlight war ... Anathema

Euch allen, die hier mal reinlest, ein glückliches, gutes neues Jahr!

Dass zum Jahresende immer eine Bilanz fällig ist, ist nicht wirklich originell, aber dann will ich halt auch mal -  und das Ganze wie immer total subjektiv :

Alben des Jahres:
Anathema - We're Here Because We're Here
Big Big Train - The Underfall Yard

Konzerte des Jahres:
Transatlantic (LKA, Stuttgart)
Anathema (Backstage, München)

Newcomer:
frames (Hannover)
A Cosmic Trail

Flop:
Marillion als Support von Deep Purple

Vorfreude 2011:
Blackfield - neues Album und Tour

Buch:
Muriel Barbery - Die Eleganz des Igels (auch wenn es nun gar nichts mit Rock und/oder Sports zu tun hat)

Für ausgewählte Freunde gibt's zum Jahresende ja immer die Special Compilation "Wopo's 2010". Hier die Tracklist (Bestellungen werden noch entgegengenommen ;-) ):

1. Anathema - Angelica
2. Star One - 24 Hours
3. Pain Of Salvation - Sleeping Under The Stars
4. Jolly - Downstream
5. frames - Isp
6. Overhead - A Captain On The Shore
7. Big Big Train - Master James Of St. George
8. SETI - Ellipse
9. Gisbert zu Knyphausen - Melancholie
10. Transatlantic - Lay Down Your Life
11. Pain Of Salvation - Road Salt
12. Anathema - Hindsight (live)

Mittwoch, 24. November 2010

Achterbahn der Gefühle

Angenommen, die Karriere von InVertigo wäre eine Achterbahnfahrt, die Band aus Gelsenkirchen befände sich gerade mitten im ersten Anstieg. Die fünf Musiker, die bis dato nur als Liveband - u.a. als Support für Sylvan und Alias Eye – in Erscheinung getreten sind, haben vor kurzem ihr Debütalbum veröffentlicht und sind voller Tatendrang: "Zunächst würden wir uns sehr freuen, wenn 'Next Stop Vertigo' viele Hörer finden würde und wir es live präsentieren können. Und dann möchten wir schnellstmöglich ein zweites Album nachschieben - genug Songs sind bereits vorhanden", verrät Keyboarder Michael Kuchenbecker.


Als Einflüsse nennt der aus Hagen (!) stammende Keyboarder Prog (Genesis, Marillion), Metallisches (Opeth, Pain Of Salvation), "aber auch Bands wie Porcupine Tree, Oceansize oder Arcade Fire." Wobei das Pendel bei InVertigo nicht so recht weiß, in welche Richtung es ausschlagen soll: New Artrock oder doch eher Neoprog?

So oder so - der Wagen ("Invertigo" bezeichnet einen Achterbahntyp, bei dem man mit dem Kopf nach unten hängt) hat Fahrt aufgenommen, und im Vordergrund steht ohnehin der Spaß. Dazu passt auch, dass Spock’s Beard das große Vorbild sind: "Von der Musik selbst mal abgesehen, denke ich, dass die Bärte dahingehend einen großen Einfluss auf uns haben, als sie ein Beispiel sind, wie man sich auch als Prog-Band nicht immer so ernst nehmen muss. Das finden wir sehr sympathisch."

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Ein (Ge-)Jammer

Subsignal live im Backstage Club zu sehen, war ein spontaner Entschluss, den ich nicht bereut habe. Auch wenn Sänger Arno Menses seinen Running Gag ("wir sind Sie... ähm Subsignal") arg strapazierte, machte der Nachfolger der "anderen Band" (Sieges Even) Freude. Druckvoll und melodisch ging's zu Werke, und - was im Prog-Genre keine Selbstverständlichkeit ist - keineswegs humorfrei.

Wären da nicht zuvor Central Park gewesen. Die Münchner, die mir schon früher zweimal (als Support von Fish bzw. Pendragon) beinahe einen Konzertabend verleidet hatten, sorgten auch diesmal für Schmerzen. Warum? Wegen dieses unseligen Gejammers! Rein kompositorisch ist an der Band gar nicht so viel auszusetzen. Gespielt wird leicht überambitionierter und dafür etwas zu kraftloser Retroprog in der Tradition von Nektar und anderen. Doch eignet sich diese Art von Musik nicht für zweitklassige Sänger. Schon mit Heiko Möckel hatten CP jemanden am Mikro, der chronisch überfordert war und so bei Konzerten für unfreiwillig peinliche Momente sorgte. Bei seiner Nachfolgerin Jannine Pusch hört man zwar, dass sie's vielleicht könnte. Doch spätestens nach diesem Auftritt wäre der beste Rat, den man der Band mitgeben könnte der, es doch mal als Instrumental-Kombo zu versuchen ... Ein Jammer eigentlich.

Freitag, 7. Mai 2010

frames - Klappe, die Erste

Schöne (Klang-)Bilder, überraschende Wendungen und eine spannende Dramaturgie – alles was einen guten Film ausmacht, zeichnet auch die Musik der Artrock-Newcomer frames aus. Mit einem Unterschied: Die Hannoveraner, die gerade ihr erstes Album "Mosaik" am Start haben, kommen ohne Hauptdarsteller, sprich ohne Sänger und Frontman aus. Ein Zustand, der zwar gewollt, aber kein Dogma ist, wie Schlagzeuger Kiryll Kulakowski beteuert: „Wir schließen nicht aus, dass wir irgendwann auch mal was mit einem Sänger machen.“

Dabei war frames ursprünglich gar nicht als Instrumentalprojekt angelegt: "Auch um bessere Auftrittschancen zu haben, wollten wir diesmal einen Sänger. Sechs oder sieben waren im Proberaum, aber der Passende war nicht dabei." Keiner konnte das bieten, was die Band in ihm suchte: die Fähigkeit, die Stimme wie ein Instrument einzusetzen. Dafür stieß in der zeit Keyboarder Manuel Schönfeld - vorher in einer Pink Floyd-Coverband aktiv - dazu, und frames ließen fortan ausschließlich die "Instrumente sprechen", wie Kulakowski es formuliert. Eine EP folgte - und der Sieg bei einem Bandwettbewerb. "Da war klar: Es funktioniert auch ohne."

Für den Drummer ist das aber nicht unbedingt ein Nachteil: „Jeder einzelne hat dadurch ja auch mehr Freiheiten in seinem Spiel. Und unsere Arrangements sind so dicht, da wäre momentan gar kein Raum mehr für Gesang."

Das Ergebnis auf "Mosaik" gibt den Musikern - alle Anfang, Mitte zwanzig, recht. Die Stücke sind kurzweilig, voll spannender Melodien und ganz wichtig: vielschichtig und stimmungsvoll. Die Songideen kommen meist von Gitarrist Jonas Meyer, die band entwickelt diese dann gemeinsam weiter. Am Ende stehen Stücke, die die Plattenfirma als Prog, Postrock und Artrock klassifiziert. "Heikel", findetd as Kulakowski. Allerdings: "Mit dem label Artrock können wir sehr gut leben."

Genauso gut wie mit dem Umstand, dass es für eine Instrumentalband schwierig ist, einen adäquaten Albumtitel zu finden: "Wenn man keine Texte hat, bietet sich ja nichts an", benennt Kulakowski das Dilemma. Auf "Mosaik" kam man deshalb, weil die Lieder alle ineinander spielen, ja einzelne Bausteine sind, die ein Gesamtwerk ergeben: "Da passte das."

Auch die vier Musiker selbst sind Bausteine im frames-Konzept, haben jeder ihren klar umrissenen Zuständigkeitsbereich. Meyer istder Musical Director, Schönfeld ist fürs Marketing zuständig, Kulakowski fürs Artwork, und die Produktionsleitung hat Bassist Julian "Moses" Hoffmann inne. Ganz wie beim Film. Dort will Kiryll Kulakowski übrigens mal hin. Der 24-Jährige plant ein Studium an der Filmhochschule.

(erstmals veröffentlicht in der eclipsed-Ausgabe Mai 2010)